Ostrand: Bergbauorte, Fachwerkkerne und der Absprung ins Vorland
Am Ostrand endet das Gebirge nicht allmählich, sondern in einer schmalen Zone von wenigen Kilometern. Innerhalb einer Viertelstunde wechselt der Untergrund von Nadelwald und Granit auf offene Feldflur, und genau auf dieser Linie liegen die Orte, die aus Bergbau, Eisenverhüttung und Residenzgeschichte gewachsen sind. Gernrode mit der ottonischen Stiftskirche St. Cyriakus zählt zu den ältesten Kirchenbauten der Region. Ballenstedt trägt Schloss und weiten Landschaftspark und ist Grablege Albrechts des Bären. Harzgerode war Verwaltungssitz eines anhaltischen Nebenzweigs und hat den Renaissancebau bis heute im Ortsbild. In Mägdesprung stand eine Eisenhütte, deren Kunstguss weit über den Harz hinaus verkauft wurde; der Obelisk am Hang erinnert daran.

Weiter östlich und südöstlich schließen die Städte an, die vom Erz gelebt haben: Hettstedt als Kupferstandort mit Maschinenbau-Tradition, Ermsleben und Aschersleben als Marktorte am Übergang zur Ebene. Fahrerisch sind das keine Genussstrecken, sondern Ortsdurchfahrten mit allem, was dazugehört — Kopfsteinpflaster in den Altstadtgassen, enge Bögen zwischen Traufwänden, Tempo-30-Abschnitte, Bushaltestellen ohne Bucht, unübersichtliche Einmündungen. Historisches Pflaster ist bei Nässe und in Schräglage der schwierigste Belag der ganzen Region, besonders auf den abschüssigen Zufahrten zu den Marktplätzen.
Der Ostrand ist trotzdem das nützlichste Verbindungsstück im Revier. Er fädelt die Talausgänge von Norden nach Süden auf einer Linie auf und erlaubt es, aus dem einen Tal heraus- und zwei Orte weiter in das nächste hineinzufahren, ohne über die Hochfläche zurückzumüssen. Wer Tagesetappen baut, nutzt die Randstraßen als Verbindung und die Täler als Inhalt — nicht umgekehrt.