
Kurvenspaß südlich vom Harz – Emmenrausch-Tour
Emmenrausch, das ist das Motorradtreffen am Kyffhäuser, gleich südlich des Harzes gelegen. Seit 2001 lockte der „Emmenrausch“ tausende Motorräder
Ostharz
Strecken-Achsen, Bikertreffs, Tankstellen und fertige Tagesrunden – alles zum Fahren.
Von der Redaktion gefahren und dokumentiert – mit Karte und GPX-Track zum Nachfahren.

Emmenrausch, das ist das Motorradtreffen am Kyffhäuser, gleich südlich des Harzes gelegen. Seit 2001 lockte der „Emmenrausch“ tausende Motorräder

Traumrevier Harz: Hier fühlen sich seit jeher Hexen wohl. Aber selbst Bibi Blocksberg weiß, dass es hier obendrein die schönsten Kurven in Deutschlands Norden gibt.

Der März ist gekommen, die Motorradfahrer wollen los! So könnte auch das Motto dieser einmaligen Tour lauten, die da heißt: Harz Extrem.

Abwechslungsreiche Harztour ab Wickerode: Über stille Straßen, geschichtsträchtige Orte und kurvenreiche Abschnitte bis zum Brockenblick.

Ein Besuch im Classic Superbikes Museum macht nostalgisch, eine Tour durch den Harz vor allem Spaß! Gut, dass sich beides hervorragend kombinieren lässt.

Diese Motorradtour führt vom Fuße des Harzes zur Aussicht des Köterbergs, durch die Einsamkeit des Westerhöfer Waldes und über den Solling hinab bis zur Weser.

Der Ostharz ist die Sachsen-Anhalt-Seite des Gebirges – und für Kurvenfahrer aus Mitteldeutschland das nächste echte Revier. Hier zieht sich die B81 durch das tief eingeschnittene Bodetal, die Harzhochstraße B242 läuft über die Höhen Richtung Mansfeld, und im Selketal verbinden stille L-Straßen Quedlinburg mit Harzgerode und dem Südharz. Der Brocken (1141 m) ist der Fixpunkt am Horizont, die Brockenstraße ab Schierke jedoch dauerhaft für Kfz und Motorräder gesperrt – Nationalpark. Gefahren wird drumherum, und das auf einer Handvoll klarer Achsen.
Die B81 durchs Bodetal ist der Ostharz-Klassiker: von Thale über die Talsperre Wendefurth Richtung Hasselfelde, eng an die Bode gebaut, mit Abzweig zur Rappbodetalsperre. Direkt am Stausee liegen mit der höchsten Staumauer Deutschlands (106 m) und der Hängebrücke Titan RT (483 m) die meistbesuchten Fotostopps der Region. Die Harzhochstraße B242, historisch als Klausstraße eine uralte Handelsroute, zieht sich über die Höhen quer durch das Mittelgebirge bis nach Mansfeld – auf der Ostseite die luftige Verbindung über Hasselfelde und Allrode.
Im Süden liegt das Selketal: Die L-Straßen zwischen Gernrode, Alexisbad, Harzgerode und Güntersberge sind kurvig, ruhig und begleiten über weite Strecken die dampfbetriebene Selketalbahn. Rund um Stolberg und das Wippertal wird es im Südharz noch einsamer – kurvige Talstrecken mit wenig Verkehr, ideal für Werktage. Wer Geschichte mitnehmen will, koppelt die Welterbestädte Quedlinburg (rund 2100 Fachwerkhäuser, UNESCO seit 1994) und Wernigerode (Schloss über der Altstadt) an die Runde an. Als Krönung wartet im Süden der Kyffhäuser mit dem Denkmal und seiner kurvigen Auffahrt.

Der Ostharz wirkt auf der Karte kompakt, doch wer die kurvigen Tal- und Höhenstraßen abfährt, merkt: Die Tankstellen-Dichte folgt den größeren Orten, nicht den Höhen. In den Wäldern rund um Hasselfelde, im oberen Selketal und im Südharz wird es dünn. Mit etwas Vorausplanung ist das kein Problem – ein Tank, der noch halb voll ist, bevor es in die Höhe geht, erspart jede Sucherei.
Die verlässlichen Tankpunkte liegen in den Rand- und Mittelorten der Sachsen-Anhalt-Seite. Im nördlichen Ostharz versorgen Wernigerode, Blankenburg (24-Stunden-Station an der Lerchenbreite) und Thale (24-Stunden-Station an der Neinstedter Straße) die Bodetal- und Talsperrenrunde. Quedlinburg (TOTAL an der Halberstädter Straße, rund um die Uhr) deckt das Selketal und die Welterbe-Runde ab. Im Südharz sind Harzgerode und Sangerhausen die zentralen Stützpunkte für die Stolberg- und Kyffhäuser-Touren.
Auf den schönsten Genuss-Strecken gibt es keine Zapfsäule: entlang der B81 im Bodetal zwischen Thale und Hasselfelde, im oberen Selketal zwischen Alexisbad und Güntersberge und auf den L-Straßen rund um Stolberg tankt man nicht zwischendurch. Auch in Schierke am Fuß der Brockenbahn steht keine günstig gelegene Tankstelle. Plant die Höhentouren so, dass ihr in Thale, Quedlinburg, Harzgerode oder Wernigerode vollmacht, bevor es in die einsamen Abschnitte geht.
Sprit gibt es auch sonntags – getankt wird in Deutschland ohne Ladenschluss. Wer aber Verpflegung oder eine warme Mahlzeit braucht: Die Shops in den kleineren Südharz-Orten machen abends früher dicht, und am Sonntag ist außerhalb der Tankstellen-Shops kaum etwas geöffnet. Die 24-Stunden-Stationen in Thale, Blankenburg und Quedlinburg sichern die Versorgung auch nachts und in der Nebensaison.
Der Ostharz teilt sich das Gelände mit den Harzer Schmalspurbahnen, dem meterspurigen Netz, auf dem im Regelbetrieb echte Dampfloks fahren. Für Motorradfahrer ist das keine reine Kulisse, sondern eine handfeste Straßensituation: An etlichen Stellen queren die Gleise die Fahrbahn. Im Selketal begleitet die Selketalbahn die Talstraßen zwischen Gernrode, Alexisbad, Silberhütte und Stiege und schneidet sie immer wieder; auf der Hochfläche kreuzt die Harzquerbahn rund um Hasselfelde, Stiege und die Eisfelder Talmühle.

Heikel ist der Belag im Übergang selbst. Die Rillenschienen liegen bündig im Asphalt, verlaufen oft schräg zur Fahrtrichtung und werden bei Nässe oder im Schatten spiegelglatt — genau dort, wo im engen Tal ohnehin lange Feuchte steht. Worauf am Bahnübergang zu achten ist:
Wer den Fahrplan im Kopf hat, legt den Fotostopp gleich an einen Übergang: Die parallel dampfende Schmalspurlok ist eines der besten Motive der Region.
Im Kern des Reviers liegt nicht eine einzelne Staumauer, sondern ein ganzes Talsperren-System. Die Rappbode-Talsperre ist der große Speicher, flussabwärts staut die Talsperre Wendefurth die Bode ein zweites Mal, dazu kommen mehrere Vorsperren im selben Einzugsgebiet. Zusammen bilden sie die größte zusammenhängende Stauseelandschaft des Harzes — und aus Fahrersicht einen kompakten Knoten, an dem sich mehrere gute Strecken treffen.
Der Zugang von Osten läuft über die B81: aus Thale und Blankenburg das Bodetal hinauf, über die Wendefurther Steige zur Mauer der Talsperre Wendefurth. Von dort zweigt die Verbindung an die eigentliche Rappbode-Mauer ab, über deren Krone die schmale L96 verläuft — eine der wenigen Stellen im Harz, an denen die Straße über ein Talsperren-Bauwerk hinwegführt. Genau hier hängen auch die Fußgänger-Hängebrücke und die Seilrutsche über dem Tal, entsprechend voll sind die Parkplätze an schönen Wochenenden.
Praktisch heißt das: die Talsperren früh am Tag mitnehmen, solange der Ausflugsverkehr noch dünn ist — und danach über Altenbrak oder Hasselfelde weiter ins ruhigere Hinterland fahren, statt im Rückstau an den Parkplätzen zu stehen.
Über Thale stehen sich zwei Sagenfelsen gegenüber: die Rosstrappe auf der einen, der Hexentanzplatz auf der anderen Seite des Bodetals. Zu den eigentlichen Aussichtskanzeln über der Schlucht führt keine durchgehende Straße — hinauf geht es zu Fuß oder mit den beiden Seilbahnen aus dem Ort: einer Kabinenbahn auf den Hexentanzplatz und einem Sessellift zur Rosstrappe. Auch der Talboden dazwischen, die Bodeschlucht, ist ausschließlich für Wanderer passierbar.
Für die Planung bedeutet das eine bewusste Entkopplung von Fahren und Schauen: Das Motorrad bleibt am besten unten in Thale, an den Parkflächen bei den Talstationen; den Höhenmeter zur Kanzel übernimmt die Seilbahn. Zum Hexentanzplatz hinauf gibt es zwar zusätzlich eine kurvige Bergstraße mit Parkplatz und Blick ins Tal, doch an die Felskante und in die Schlucht kommt man auch von oben nur zu Fuß.
Der fahrerische Teil liegt drumherum — flussaufwärts über Altenbrak und Treseburg oder die Rampe hinauf nach Friedrichsbrunn. Sinnvoll ist, den Aussichts-Stopp als eigenen Programmpunkt zu setzen und ihn nicht mitten in die Kurvenetappe zu quetschen.
Start und Ziel Thale. Über die B81 durchs Bodetal an der Talsperre Wendefurth vorbei zur Rappbodetalsperre (mit 106 m höchste Staumauer Deutschlands, darüber die Hängebrücke Titan RT). Weiter über Hasselfelde und Allrode zurück nach Thale. In Thale die Sagenorte Rosstrappe und Hexentanzplatz. Höhepunkt: die Kurvenkombination der B81 entlang der Bode.
Start Quedlinburg, über Gernrode ins Selketal nach Alexisbad und Harzgerode, weiter über Güntersberge und Stiege. Die stillen L-Straßen begleiten die Selketalbahn – mit etwas Glück dampft die Schmalspurlok parallel. Einkehr in Alexisbad oder Harzgerode. Rückweg über Ballenstedt mit Blick auf das Schloss.
Start Harzgerode, über die Höhen Richtung Stolberg, der Fachwerkstadt und Thomas-Müntzer-Geburtsstadt am Beginn der Deutschen Fachwerkstraße. Weiter durch den Südharz Richtung Sangerhausen, dann zurück über Wippra und das Wippertal. Kurvige Talstrecken mit wenig Verkehr.
Start Quedlinburg (rund 2100 Fachwerkhäuser, UNESCO seit 1994), über Thale und Blankenburg nach Wernigerode mit seinem Schloss über der Altstadt. Auf dem Rückweg ein Abstecher zur Teufelsmauer bei Weddersleben und nach Rübeland zu den Tropfsteinhöhlen. Trockenstopps für Schlechtwettertage inklusive.
Tagestour quer über die Sachsen-Anhalt-Seite: Thale — Bodetal — Hasselfelde — Harzgerode — Stolberg — Südharz — und als Krönung der Kyffhäuser mit dem Kyffhäuserdenkmal und der kurvigen Auffahrt. Rückweg über das Mansfelder Land nach Quedlinburg. Wer mag, hängt das Bodetal mit Rosstrappe und Hexentanzplatz an.
Für die eigene Planung reichen die genannten Eckpunkte: In Komoot oder einem GPX-Planer werden Start, Zwischenstopps und Einkehr als Wegpunkte gesetzt, die Routenführung dazwischen übernehmen die B- und L-Straßen.
Benachbarte Motorradregionen – weitere Strecken-Guides aus dem Netzwerk: