Der Ostharz ist die sachsen-anhaltische Seite des Gebirges und fährt sich spürbar anders als der Oberharz im Westen: Die großen Gipfel fehlen, dafür schneiden sich Bode und Selke als tiefe, enge Täler ins Unterharz-Plateau — genau dort liegen die kurvenreichsten Kilometer. Dazwischen offene Hochflächen um Harzgerode und Hasselfelde als schnelle Verbindungen, am Nordrand eine Reihe Fachwerkstädte als Etappenziele. Was die einzelnen Ecken fahrerisch und für den Stopp taugen, steht hier.
Bodetal und Thale – die tiefste Felsschlucht des Harzes

Thale ist das Tor zum Bodetal, der tiefsten Felsschlucht des Gebirges. Hoch über dem Fluss liegen sich zwei Aussichtsfelsen gegenüber: der Hexentanzplatz und die Rosstrappe, beide per Kabinenbahn beziehungsweise Sessellift erreichbar. Zum Hexentanzplatz führt zusätzlich eine kurvige Auffahrt mit Parkplatz direkt an der Abbruchkante — ein klassischer Biker-Treff. Die Schlucht selbst ist nur zu Fuß begehbar; auf dem Motorrad fährt man sie außen herum. Die fahrerisch beste Strecke der Region folgt der Bode flussabwärts von Wendefurth über Altenbrak nach Treseburg: eng, schattig, Kehre an Kehre am Wasser entlang. Aus Treseburg klettern Serpentinen wieder hinauf nach Friedrichsbrunn aufs Plateau.
Rappbodetalsperre und Rübeland – höchste Staumauer und Tropfsteinhöhlen

Im Zentrum des Ostharzes staut die Rappbodetalsperre das größte Wasservolumen im Harz; ihre Staumauer ist mit gut hundert Metern die höchste Deutschlands. Parallel dazu spannt sich die Fußgänger-Hängebrücke Titan RT über das Tal — bei der Eröffnung eine der längsten ihrer Art weltweit —, dazu eine Doppel-Seilrutsche quer über den Stausee. Schon die Straße über die Mauerkrone taugt für den Fotostopp; Öffnungszeiten und Preise von Brücke und Seilrutsche vor der Anfahrt prüfen, im Sommer sind die Parkplätze früh voll. Wenige Kilometer weiter liegt Rübeland mit Baumannshöhle und Hermannshöhle, zwei der bekanntesten Schauhöhlen des Landes — ein kühler Zwischenstopp, wenn der Asphalt an Hochsommertagen flimmert.
Selketal – die ruhige Alternative zum Bodetal

Während sich in Thale die Ausflügler stauen, ist das Selketal das stille Gegenstück: ein bewaldetes Flusstal mit schmalen, wenig befahrenen Straßen. Der Selke folgt man von Güntersberge über Alexisbad und Mägdesprung Richtung Meisdorf, über dem Tal steht die Burg Falkenstein. Durch dasselbe Tal fährt die Selketalbahn der Harzer Schmalspurbahnen von Quedlinburg über Gernrode bis Alexisbad und Stiege — an planmäßigen Tagen mit einer Dampflok am Zug. Alexisbad und Harzgerode sind die Ankerpunkte für eine entspannte Runde; von hier erschließen offene Plateaustraßen den gesamten Unterharz.
Fachwerkstädte und Felsen am Nordrand
Der nördliche Ostharz reiht die schönsten Fachwerkstädte des Gebirges auf. Quedlinburg mit über tausend Fachwerkhäusern aus acht Jahrhunderten, Stiftskirche und Schloss ist seit 1994 UNESCO-Welterbe. Wernigerode, „die bunte Stadt am Harz", wird von seinem Schloss überragt; von hier startet die Brockenbahn ins Nachbarrevier. In Blankenburg und Ballenstedt kommen Schlösser und Parkanlagen dazu, in Gernrode die Stiftskirche St. Cyriakus, ein über tausend Jahre alter Bau der Romanik.
Alle diese Städte liegen dicht beieinander an der Nordkante — kurze Etappen, an denen sich das Abstellen und der Bummel zu Fuß lohnt. Zwischen Blankenburg, Weddersleben und Ballenstedt zieht sich die Teufelsmauer durch die Felder, eine schroffe Sandstein-Felsrippe und eines der ältesten Naturschutzgebiete Deutschlands; über Blankenburg thront zusätzlich die Felsenburg Regenstein.
Mansfelder Land – Bergbau-Erbe im Harzvorland
Nach Osten flacht der Harz ins Mansfelder Land ab, eine sanft gewellte Hügellandschaft ohne die engen Kehren der Täler, dafür mit langen, gut einsehbaren Landstraßen zum Rollen. Prägend sind rund achthundert Jahre Kupferschiefer-Bergbau: Halden, alte Schächte und die Mansfelder Bergwerksbahn erinnern daran. In Lutherstadt Eisleben stehen Luthers Geburts- und Sterbehaus, seit 1996 UNESCO-Welterbe. Am Süßen See lässt sich die Runde ausklingen, bevor es zurück in die Berge geht.
Nachbarrevier Oberharz – wo der Ostharz endet
Westlich schließt der Oberharz an, das höhere, waldigere Gegenstück mit dem Brocken (1141 Meter, höchster Berg Norddeutschlands), Goslar, dem Rammelsberg und den Teichen der Oberharzer Wasserwirtschaft. Dort endet das Unterharz-Plateau und die großen Anstiege beginnen — ein eigenes Revier, das wir getrennt beschreiben. Auf den Brockengipfel selbst führt für Motorräder ohnehin keine Straße; hinauf geht es nur zu Fuß, mit dem Rad oder per Dampfbahn ab Wernigerode.